Ein interdisziplinäres wissenschaftliches Netzwerk in Krisenlagen

Ein Vorschlag beyond Corona

In ausserordentlichen Lagen kommen plötzlich neue und grosse Herausforderungen in verschiedensten Bereichen auf uns zu – so auch bei Corona. Umso wichtiger wäre die Schaffung eines wissenschaftlichen Netzwerks, das Wissen und Know-how bündelt und als Entscheidungsgrundlagen für die Behörden zur Verfügung stellen kann.
 

Die Corona-Krise wirft viele gesundheitsrelevante Fragen auf, gefolgt von Herausforderungen im wirtschaftlichen und sozialen Bereich. Generell macht uns diese Krise bewusst, dass wir einerseits funktionierende Notorganisationen brauchen und haben, andererseits auf wissenschaftliche Erkenntnisse angewiesen sind. Hier geht es um viel mehr als um Epidemiologie, nämlich um Erkenntnisse für ausserordentlichen Lagen in Gesellschaft, Wirtschaft und Staat. Das in der Schweiz hohe Forschungsniveau mit vielen hervorragenden Institutionen hat das Potenzial, einen wichtigen Beitrag zu leisten – beyond Corona.

Wissenschaftliche Task Force

Um dieses Potenzial zu nutzen, hat der Bundesrat Ende März 2020 ein wissenschaftliches Beratungsgremium (Task Force) eingesetzt, in welchem die ganze Hochschullandschaft mit Forscherinnen und Forschern vertreten ist. Dieses konzentriert sich primär auf die Gesundheitsaspekte rund um COVID-19. Das, was der Bundesrat zur einberufenen Task Force zu COVID-19 erklärt, kann allgemeine Geltung für andere Krisenlagen beanspruchen (aus der Medienmitteilung vom 31.3.2020): «Die Schweizer Wissenschaftsgemeinschaft hat ein hohes Potenzial, den Ausgang dieser Krise positiv zu beeinflussen, sei es durch Forschung, Bildung oder Wissenstransfer.»

Wissenschaftliches Know-how für ausserordentliche Lagen

Je länger die Krise dauert, desto mehr kommen wirtschaftliche und soziale Frage- und Problemstellungen auf. Es sind Herausforderungen, bei welchen wir auf gesicherte Erkenntnisse, Grundlagenforschung, praxisorientierte Forschung und das Zusammenwirken von Wissenschaft, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft angewiesen sind. Die wissenschaftlichen Fragestellungen gehen also weit über Fragen der Epidemiologie und Gesundheit hinaus – also auch insofern beyond Corona. Der Bedarf an wissenschaftlich fundiertem Know-how wurde nun durch ein Virus und die damit verbundene Krise ausgelöst. Auslöser können aber auch Naturereignisse, Kriege oder andere Katastrophen sein. Auf staatlicher Ebene wird jeweils von ausserordentlicher Lage gesprochen. Wie erwähnt, stellen sich existenzielle Fragen auf gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene, welche besondere Massnahmen und Verhalten erfordern. 

Künftiges interdisziplinäres Netzwerk

Aus diesen Gründen braucht es gebündelte Kompetenzen und wissenschaftlich basierte Grundlagen – interdisziplinär und für alle ausserordentlichen Lagen. Diese als Entscheidungsgrundlagen für Behörden zu erarbeiten und nach Bedarf weitere Aufträge entgegenzunehmen, wäre die Aufgabe eines festen Netzwerks oder Kompetenzzentrums. Vorstellbar ist einerseits ein Grundauftrag des Staates oder einer im Zusammenwirken mit Privaten (Public Private Partnership), welcher präventiv Erkenntnisse für verschiedene ausserordentliche Lagen bereitstellt und andererseits ein erweiterter Auftrag, um je nach aktuellem Bedarf das nötige Know-how schnell und nach jeweiliger Situation schwerpunktmässig anzubieten. Unter Einbindung aller forschenden Institutionen unseres Landes wäre dieses Netzwerk oder Kompetenzzentrum nicht erst im Notfall ad hoc zu bilden, sondern es wäre eine bestehende Plattform, auf welche rechtzeitig zurückgegriffen werden kann.