Klimapolitik bedeutet, die Schweiz lebenswert zu erhalten

Ich habe mich in unserer Partei selten so am richtigen Ort gefühlt wie im Moment, als unsere Delegiertenversammlung unsere Klimapolitik neu ausgerichtet hat. Nicht nur weil diese Klimapolitik ganz in meinem Sinne ist, sondern weil dieses Resultat in einem wirklich demokratischen Prozess zustande gekommen ist.

von Joe Christen, Landwirtschafts- und Umweltdirektor des Kantons Nidwalden

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Wo in anderen Parteien Vorstände entscheiden oder Delegierte die Vorstandsentscheide abnicken, hat jetzt bei uns die Basis die Marschrichtung vorgegeben. Zwar haben nicht alle Mitglieder mitgemacht, doch die Umfrage ist trotzdem repräsentativ. Vor allem aber hat diese Vorgabe eine ganz andere Legitimation, denn sie ist ganz anders abgestützt.

Natürlich gibt es nun Stimmen, denen unsere neue Klimapolitik nicht passt. Zu teuer, zu wenig wirksam, zu wenig erfolgsversprechend. Und ich bin überzeugt, dass gewisse Leute die Rekordtemperaturen bagatellisieren und sagen, man solle doch das schöne Wetter mal geniessen. Es sind die gleiche Leute, die dann nach dem Staat rufen, wenn Bauern die Kühe notschlachten müssen, weil die Felder zu wenig Futter hergeben.

Kleinvieh macht auch Mist

Für mich spielt auch keine Rolle, zu wieviel Prozent der Mensch für den Klimawandel verantwortlich ist. Mir geht es vielmehr um die Frage, was der Mensch tun kann, um eine weitere Klimaerwärmung zu verhindern. Und wer argumentiert, wir als kleines Land könnten eh nichts tun, dem sage ich als Landwirtschaftsdirektor eines Kleinstkantons: Stimmt nicht, Kleinvieh macht auch Mist.

Wirklich klein ist die Schweiz nur flächenmässig. Wirtschaftlich gehören wir zu den zwanzig grössten Nationen der Welt. Unsere Wirtschaft ist weltweit tätig. Unsere Finanzindustrie investiert ihr Geld überall auf allen Kontinenten. Damit ist klar: unsere Verantwortung geht weit über unsere Grenzen hinaus.

Mir ist klar: Wir machen das Klima aber nicht besser mit Verboten. Es braucht vielmehr Anreize, dass unsere Wirtschaft in Projekte investiert, die dem Klima nützen und gleichwohl sozialverträglich sind. Und es braucht den sanften Druck von gezielten Lenkungsmassnahmen.

Aber wir dürfen Klimapolitik nicht nur an die andern delegieren. Wir sind auch selber gefordert, den eigenen Verbrauch von CO2 aufs Nötigste zu beschränken. Das ist Eigenverantwortung. Es ist an jedem einzelnen von uns, dafür zu sorgen, dass die nächsten Generationen eine ebenso lebenswerte Schweiz finden, wie wir sie erhalten haben.