Gegen Technokratie, Schicksalsrichter und Dunkelkammer

Gründe für ein Nein zur Justiz-Initiative

Heute sind Richterpersonen demokratisch durch eine Wahl durch das Parlament legitimiert. Die Justiz-Initiative ersetzt diese bewährte Schweizer Tradition durch ein technokratisches Verfahren (Fachkommission) und durch den reinen Zufall (Losentscheid). Dies ist weder demokratisch noch transparent und widerspricht Schweizer Traditionen und Werten.

Nichts ausser Lamento
An einer Parteiversammlung erlebte ich Adrian Gasser, der als Initiant der Justiz-Initiative diese verteidigte. Ausser einem allgemeinen Lamento über die Parteilichkeit von Richtern und den politischen Druck auf diese, hörte ich nichts. Insbesondere wurde nicht erklärt, weshalb ein anderes Wahlsystem als das heutige zielführender sein sollte.

Heute: Demokratische Wahlen
Heute müssen sich Kandidatinnen und Kandidaten vor der Gerichtskommission bewähren und schliesslich dem Parlament zur Wahl stellen. Es ist ein Verfahren, an dem alle Parteien mitwirken und die Kandidierenden auf ihre fachliche und menschliche Eignung hin prüfen. Der Wahlentscheid durch die Bundesversammlung ist ein demokratischer Entscheid nach Schweizer Tradition. Zusätzlich sind die verschiedenen Werte und politischen Standpunkte im Bundesgericht dadurch ausgewogen abgebildet. Das ist bedeutsam für die Legitimität der Bundesrichterinnen und Bundesrichter und für die Akzeptanz ihrer Urteile. Das alles würde mit der Justizinitiative aufgegeben.

Initiative: technokratisch und antidemokratisch
Die Vorauswahl würde durch eine Fachkommission erfolgen, somit durch ein demokratisch nicht legitimiertes technokratisches Gremium. Dieses ist nicht rechenschaftspflichtig über die Vorauswahl und trägt keinerlei demokratische Verantwortung. Anschliessend erfolgt eine Wahl durch das Los. Die Los-Kiste ist eine Blackbox und der reine Zufall entscheidet darüber, durch wen unsere höchstrichterlichen Entscheide getroffen werden. Ich möchte das nicht: Ich möchte im Streitfall durch Menschen, die demokratisch gewählt sind, beurteilt werden. Und nicht durch Zufallsrichter, die einem technokratischen und antidemokratischen Verfahren entspringen. Zusammen mit dem einstimmigen Ständerat stimme ich deshalb klar Nein.
 

Matthias Michel, Ständerat ZG