Entwicklung braucht mehr als Geldflüsse

 

Dürftige Drittwelthilfe und üppige Globalisierungsgewinne – solche Klischees gehören zum Ritual vieler linker und entwicklungsideologischer Kritiker der Weltwirtschaft. Davon war auch jüngst wieder an einem UNO-Gipfel zu hören, als sich Regierungsspitzen aus aller Welt in New York versammelten, um festzustellen, was man ohnehin wusste, dass nämlich die im Jahr 2000 proklamierten „Millleniumsziele“ nicht erreichbar sind. Eine Halbierung der Zahl der Armen und der Hungernden (gegenüber dem Stand von 1990) wird bis 2015 nicht gelingen. Dafür gibt es viele und sehr verschiedenartige Gründe. Der pauschale Vorwurf an die Industriestaaten über unzureichende hilfeleistende Geldströme wird dieser Komplexität nicht gerecht.

 

 

 

 

Vorweg erweist es sich als wenig sinnvoll, terminierte Wohlfahrtsziele mit globaler Gültigkeit zu beziffern, auf welcher politischen Ebene dies auch geschehen mag. Wer Absichten verkündet, sagt noch nichts über zielführende Wege. Mit Politik haben diese allerdings zu tun, und zwar mit der Politik der Empfängerländer wie der Geberländer. Wenn sich heute so genannte Schwellenländer wie Indien und südostasiatische Staaten, ebenso China, aber auch Brasilien als besonders wachstumsstark (und zudem krisenresistent) erweisen, so ist dies weit weniger blossen nord-südlichen (gar staatlichen) Geldflüssen als marktwirtschaftlichem Reformwillen und soliden produktiven Investitionen zuzuschreiben.

 

Solche Investitionen haben zumeist nichtstaatliche Finanzierungsquellen ausländischer oder inländischer Provenienz. Die Nutzung solcher Quellen setzt aber Vertrauen in die Bestimmungsländer voraus, und zwar sowohl in deren Unternehmungen als auch in die jeweilige Wirtschaftspolitik. Wo das Privateigentum gewährleistet ist, Rechtssicherheit (bis hin zur Korruptionsabwehr) besteht, fiskalische Zurückhaltung herrscht und die Währungen stabil sind, vermögen private Direktinvestitionen aus dem Ausland weit mehr zu bewirken als öffentliche Hilfsgelder. Das ist nicht nur belegbar, sondern verdeutlicht auch, wie fragwürdig es ist, Entwicklungsleistungen nur an Promillesätzen staatlicher Geldflüsse zu messen. Letztlich gilt für Länder wie für Individuen, dass Wohlstandsförderung und -sicherung zuerst Eigenverantwortung erfordert.

 

-ll-